Pflege junger Menschen mit Behinderung in Not

im GartenWIEHRE. Am Donnerstag, den 22. Oktober 2020 besuchten MdL Gabi Rolland, SPD und MdB Heike Baehrens, SPD, das Korczak-Haus Freiburg, einer von Eltern initiierten Einrichtung mit Schule, Kindergarten und Familienentlastendem Dienst (FED) für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit schwerer Mehrfachbehinderung. Thema des Corona-bedingt schon einmal verschobenen Gesprächs war die Benachteiligung von jungen Menschen mit Behinderung durch die Pflegeversicherung. Carolin Paul und Frank Scholz, im Vorstand engagierte Eltern, schilderten die Situation der Familien und die Problematik der Pflegeversicherung für junge Menschen mit schwerer Mehrfachbehinderung.

„Die Eltern müssen jahraus, jahrein rund um die Uhr für ihr behindertes und hochgradig pflegebedürftiges Kind da sein. Manche Kinder schlafen nachts nur wenige Stunden – oft auch noch mit Unterbrechungen. Sie benötigen Unterstützung in allen Lebensbereichen“, so Carolin Paul. Die Eltern seien darauf angewiesen, ihre Kinder durch die qualifizierten und gut eingearbeiteten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des FED des Korczak-Hauses betreuen zu lassen: um einem Beruf nachgehen zu können, um sich um Geschwisterkinder zu kümmern und um ihre Gesundheit für ihre Kinder zu erhalten.

Die Pflegeversicherung ist dafür zuständig, diesen pflegenden Angehörigen Entlastungsangebote zu finanzieren. „Die Pflegeversicherung und viele Diskussionen rund um das Thema Pflege beziehen sich jedoch fast ausschließlich auf ältere Menschen“, bemängelt Frank Scholz. Sicher seien sie die große Mehrheit der Pflegebedürftigen, doch die vielen jungen pflegebedürftigen Menschen und ihre Angehörigen dürfen nicht vergessen werden. Benachteiligung in der Pflegeversicherung müssen Familien immer wieder erleben, so auch z.B. bei den Leistungen für Tages- und Nachtpflege. Trotz unstrittigem Anrecht auf dieses Budget, können Familien mit einem hochgradig pflegebedürftigen Kind, Jugendlichen oder jungen Erwachsenen dieses Budget nicht nutzbar machen.

Carolin Paul und Frank Scholz bitten Heike Baehrens und Gabi Rolland eindringlich, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass junge, hochgradig pflegebedürftige Menschen die ihnen zustehenden Leistungen der Pflegekasse in Anspruch nehmen können. Mit Nachdruck appellieren sie an die Gäste, dass sie in ihrem politischen Handeln Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit schwerer Mehrfachbehinderung nicht vergessen und benachteiligende Barrieren für diesen Personenkreis bei den Leistungen der Pflegekassen aktiv abbauen.

Die beiden Politikerinnensehen die Not der Eltern und die Barrieren, die einer umfassenden und notwendigen Entlastung im Wege stehen. „Ich habe großen Respekt vor der täglichen Leitung der Eltern, die ihnen über Jahrzehnte abverlangt wird“, betont Gabi Rolland. Sie unterstützen die Forderungen der Familien. Am Ende des Gesprächs bietet Gabi Rolland an, Städte- und Landkreistag über diese Problematik zu informieren und Heike Baehrens wird Kontakt mit dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen aufnehmen.