Die Hauptstufe – der mittlere Abschnitt der Schulzeit
Nach der Grundstufe folgt für die Schülerinnen und Schüler die fünfjährige Hauptstufe. Dies ist eine prägende Entwicklungsphase, in der sich vieles verändert: Das kindliche Spiel tritt mehr in den Hintergrund, und Themen des Jugendalters rücken in den Mittelpunkt. Die Jugendlichen spüren, dass sie älter werden, und entwickeln Schritt für Schritt eine eigene Identität.
Pädagogische Leitlinien: Persönlichkeitsentwicklung und Mitbestimmung
Das übergeordnete Ziel der Hauptstufe ist die Begleitung der Persönlichkeitsentwicklung. In dieser Phase steht die Anbahnung einer individuellen Selbstständigkeit im Vordergrund, die bei Schülerinnen und Schülern mit komplexen Behinderungen vor allem bedeutet: Wünsche äußern, Wahlmöglichkeiten nutzen und Selbstwirksamkeit in der Erwachsenenwelt erfahren.
Die Jugendlichen werden dabei unterstützt, für ihre Lebenswelt wichtige Fertigkeiten zu festigen. Dabei sind eine dem Alter entsprechende Kommunikation sowie der respektvolle Umgang mit Privatsphäre und Abgrenzungswünschen wesentliche Voraussetzungen für eine gelingende Identitätsbildung.
Unterrichtsinhalte: Lebensnah und mit allen Sinnen
Der Unterricht in der Hauptstufe ist altersentsprechend und lebensweltorientiert gestaltet. Neben den Inhalten der Grundstufe treten neue Lernfelder in den Fokus, die den Übergang vom Kindes- zum Jugendalter widerspiegeln:
- Jugendliche Lebenswelt: Kinderlieder weichen moderner Musik und Jugendkultur. Auch Themen wie die eigene Körperpflege und das Wohlbefinden werden wichtig, um die eigene Identität zu finden. Dabei erhalten die Jugendlichen vielfältige Gelegenheiten, mitzubestimmen und ihre individuellen Vorlieben zu äußern.
- Sinnstiftende Tätigkeiten: Alltagsaufgaben wie das Decken des Tisches, das Holen der Post oder die Mithilfe bei der Essenszubereitung werden nicht mehr nur geübt, sondern als echter Beitrag für die Gemeinschaft erlebt. Die Jugendlichen spüren, dass ihre Hilfe gebraucht wird und ihr Handeln im Schulalltag einen Unterschied macht.
- Lernen in neuen Gruppen: Um den Horizont zu erweitern, findet der Unterricht auch in klassenübergreifenden Projekten und an außerschulischen Lernorten statt. Dies ermöglicht Begegnungen außerhalb des gewohnten Klassenrahmens und trainiert sich in neuen sozialen Situationen zurechtzufinden.
Außerschulische Lernorte
Ein zentrales Merkmal der Hauptstufe ist die Vergrößerung des Aktionsradius. Durch Aktivitäten außerhalb der Schule werden die Jugendlichen auf die Erfordernisse ihrer Lebenswelt vorbereitet und erleben soziale Teilhabe: Bei Lerngängen – etwa in die Drogerie oder in den Sozialraum – erfahren die Schüler und Schülerinnen Unterrichtsinhalte in echten Kontexten. Ob beim regelmäßigen Schwimmen, Ausflügen oder kleinen Einkäufen – die Jugendlichen sind präsent im gesellschaftlichen Leben und erweitern durch das Verlassen des bekannten Schulgeländes ihre Orientierung und ihr Selbstvertrauen.
Zusammenarbeit und Ausblick
Die enge Erziehungspartnerschaft mit den Eltern bildet weiterhin die Basis der pädagogischen Arbeit. Der Prozess des Erwachsenwerdens wird gemeinsam begleitet, wobei auch die Gestaltung des Übergangs zur anschließenden Berufsschulstufe (Werkstufe) im Fokus steht. Ziel ist es, für jeden Jugendlichen einen stabilen Entwicklungsrahmen zu schaffen, der ein Maximum an aktiver Teilhabe und Lebensqualität ermöglicht.





